Geschichte
Unabhängig bleiben und doch mitreden
Entstanden ist die Gruppe Energie und Umwelt (GEU) aus der Anti-AKW-Bewegung heraus. Die ersten Mitstreiter trafen sich 1979 auf einen Zeitungsartikel hin. Mit der Zeit erschienen immer mehr Leute zu den monatlichen Sitzungen. Einen Verein wollte man anfangs jedoch nicht gründen und schon gar keine politische Partei. Das Wort "Partei" hinterliess damals bei allen einen bitteren Nachgeschmack.
1980 wurde die 'Gruppe Energie und Umwelt' politisch aktiv, zum einen zum Thema Atomenergie. Sie gingen damals auch nach Kaiseraugst. Zum anderen aber auch wegen der geplanten Umfahrungsstrasse, die von der Autobahn bei Dübendorf übers freie Feld, am Schützenhaus vorbei bis nach Fällanden hätte gehen sollen. Das, fanden Sie, musste unbedingt verhindert werden.
Am 17. Dezember 1981 wurde die Partei "Gruppe Energie und Umwelt" gegründet, wenn auch nur in der Form eines Vereins. Man hatte eingesehen, dass dieser Schritt unumgäglich war, um sich politisch einzumischen und den Lauf der Dinge im eigenen Sinne zu beeinflussen. Dieser Verein allerdings, sollte kein gewöhnlicher Verein sein und schon gar keiner mit Machtstrukturen. Man erklärte damals: "Dieser Verein kennt keine festen Strukturen und wird auch nicht von einem Präsidenten geführt. Hauptziel ist es in erster Linie,dass jedes Vereinsmitglied seinen Beitrag leisten kann, dass jeder und jede die gleichen Rechte hat."
Am Puls der Zeit
Wichtigstes Anliegen war für die GEU nie klassische Parteiarbeit, sondern der aktive Einsatz für den Umweltschutzgedanken, die Wohn- und Lebensqualität in Dübendorf. Dafür setzten sich die Mitglieder an den verschiedensten Orten und Fronten ein. Durch diese Aktivitäten hatte die GEU immer einen direkten Draht zum Geschehen in der Stadt und zur Bevölkerung.
Angefangen hatte man mit einem eigenen Stand am Markt, an dem GEU-Mitglieder umweltfreundliche Produkte verkauften und Aluminium und alte Batterien sammelten. Damals gab es noch keine Sammelstelle dafür, alles landete im gewöhnlichen Kehhricht. Rund 700 Kilo Aluminum wurden so jedes Jahr gesammelt. Die GEU dachte praktisch: Auf der Rückseite Ihrer Wahlbroschüre druckte Sie jeweils gleich noch die Dübendorfer Abfallinformationen ab. Für Altstoffe gibt es inzwischen eine der grössten Altstoffsammelstellen am Dübendorfer Stadtrand, und der Dübendorfer Abfallplan wird von der Stadt für alle Haushaltungen herausgegeben.
Einige Mitglieder engagierten sich später auch im CLARO-Weltladen an der Bahnhofstrasse. Zudem organisierte man kulturelle Angebote wie die Konzerte im "Teestübli" oder später Anlässe im Kultur- und Begegnungszentrum Obere Mühle, das zusammen mit der SP und dem damaligen Landesring initiiert wurde; andere wiederum waren aktiv im Naturschutzverein oder organisierten das alljährliche Kinderfest auf dem Dorfschulhausplatz mit Karusell, Ständen, Kinderschminken und Velobörse.
Durch all diese Aktivitäten konnte die Gruppe Energie und Umwelt viele Ideen aus der Bevölkerung aufnehmen und umsetzen.
Vordenken statt hinten nachhinken
1982 schaffte die 'Gruppe Energie und Umwelt' (GEU) auf Anhieb den Sprung in den Gemeinderat. Das Thema Umweltschutz war aktuell, aber damals kümmerte sich noch keine Partei darum. Mit einem einzigen Inserat, wenigen selbstgemalten Plakaten und einem Budget von Fr. 1000.- holte die GEU vier Gemeinderatssitze und 11% der Wählerstimmen.
Überrascht vom Wahlergebnis waren auch die GEU-Mitglieder selber: "Wir hatten mit höchstens zwei Sitzen gerechnet. Alle Medien berichteten über diesen Wahlerfolg, wir kamen sogar im Fernsehen."
In Bezug auf Umweltschutz, öffentlichen Verkehr oder auch die Erhebung von Abwasser- und Kehrichtgebühren lag in Dübendorf zu dieser Zeit noch vieles im Argen. Die frischgewählten GEU-Gemeinderäte machten sich auf, hier etwas Staub aufzuwirbeln. Und obwohl sie für sich in Anspruch nahmen, nicht die Konfrontation zu suchen, sondern den Dialog, zeigten sie manchmal ganz schön die Zähne.
Ein Mitglied aus dieser Zeit: "Früher, da war die GEU noch agressiver, damals war Dübendorf ökologisch gesehen auch noch eine Wüste. Das Abwasser und der Kehrricht wurden subventioniert, es gab keine öffentlichen Busse oder Radwege. Wir hatten eine gute Gruppendynamik. Wie in einem Hockeyspiel hatten wir eine gute Angriffslinie: Einer zog an, die anderen stiegen sofort ein und dann ging eine Lawine los. Auch strategisch waren wir unheimlich stark. Die Teamarbeit funktionierte perfekt."
Viele der Anliegen, die die GEU im Gemeinderat vorbrachte, wurden seither realisiert. Nicht wenige davon wurden zunächst einmal abgelehnt und kamen erst Jahre später zum Zug. Wie es ein Alt-Gemeinderat formuliert: "Die GEU hatte immer Leute, die vorausgedacht haben und Entwicklungen bewusst oder unbewusst vorausgesehen haben. Da war zum Beispiel in den 80er Jahren unser Vorstoss für Glasfaserkabel. Zu dieser Zeit war Internet noch kein Thema und kein Mensch hat von Glasfaserkabeln gesprochen. Heute wäre man froh, man hätte diese Kabel damals eingezogen."
Nach 25 Jahren ist die Gruppe Energie und Umwelt - etwas - zahmer geworden. In Dübendorf gibt es inzwischen Radwege, einen Nachtbus und sogar eine ausgeglichene Rechnung und verursachergerecht erhobene Abwasser- und Kehrrichtgebühren. Neuere Errungenschaften, die auf Input der GEU oder mit deren Unterstützung eingeführt wurden, gehören das Label Energiestadt, Förderprogramme für erneuerbare Energien; der öffentliche Verkehr inklusive seiner Infrastruktur wird immer wieder den aktuellen Gegebenheiten angepasst.
Stadtrat Martin Bäumle: "Früher haben wir als GEU von aussen gewirkt mit Leserbriefen und Vorstössen. Heute sind wir eher innerhalb aktiv in Kommissionen und im Stadtrat.Das ist weniger spektakulär und wird von aussen nicht so wahrgenommen. Erreichen kann man auf diese Art mehr. Umweltanliegen können direkt eingebracht werden, und weil wir einen Stadtrat und eine starke Gemeinderatsfraktion haben wird diesen Anliegen mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Im Stadtrat zum Beispiel, da ist grüne Politik eine Politik der kleinen Schritte in die richtige Richtung."
Neue Akzente setzen - gesellschaftliche Veränderungen
Dübendorf ist heute die viertgrösste Stadt im Kanton Zürich. Seit den 80er-Jahren hat sich im Umweltbereich einiges getan, wenn auch immer noch Potential zur Steigerung vorhanden ist. Dafür sind neue Themen aufgekommen, v.a. im gesellschaftlichen Bereich: Die Bevölkerung setzt sich heute aus verschiedensten Kulturen zusammen, das Zusammenleben muss aktiv mitgestaltet werden. Die Schule steht vor vielfältigen Herausforderungen, um die Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten und Chancengleichheit zu gewährleisten. In vielen Familien müssen beide Elternteile arbeiten, um ein genügendes Einkommen zu generieren - sie brauchen Unterstützung bei familienergänzender Kinderbetreuung. Neue Aufgaben wollen angegangen werden, das braucht auch den Mut, lieb gewordene und gewohnte Leistungen zu hinterfragen, um Platz und Geld für Neues zu schaffen. All diese Veränderungen verlangen auch nach Anpassung von Strukturen, was häufig Widerstand hervorruft. Bei all diesen Themen diskutiert die GEU mit und bringt ihre Vorstellungen ein. Sie gestaltet eine offene Gesellschaft mit, die ihre schwächeren Mitglieder unterstützt, das Zusammenleben fördert, die Umgebung gestaltet und Freiräume auftut.Wir sind stolz darauf, eine der wenigen Parteien zu sein, für die es kein Thema ist, genügend Frauen für ihre Gremien zu finden - im Gemeinderat stellen Frauen 4 von 6 Gemeinderätinnen und auch unser Schulpflegemitglied ist weiblich.